Filme zum Thema Flucht

Wir möchten Ihnen einige Filme aus unserem Programm vorstellen, die sich auf unterschiedliche Weise dem Thema Flucht annähern. Im Zentrum stehen Menschen mit ihren persönlichen Schicksalen, Gedanken, Hoffnungen und Träumen, die den anonymen Ereignissen ein Gesicht geben.

Einen guten Einstieg in das komplexe Thema bietet die Kompilations-DVD Fremd ist der Fremde nur in der Fremde. Das Zitat von Karl Valentins, auf das im Titel Bezug genommen wird, kann man als Kommentar zu allen neun Filmen, die auf dieser DVD zu finden sind, verstehen. Es sind ganz unterschiedlich Aspekte, Begegnungen und filmische Formen, die den ZuschauerInnen das Thema näherbringen und, unterstützt durch ausführliches Begleitmaterial, zur Diskussion anregen.

So ist Der Blinde Passagier der in dem gleichnamigen slapstickartigen Film des kongolesischen Filmemachers José Laplaine in einem Containerschiff Lissabon erreicht, mehr als erstaunt, dass er von einem schwarzen Polizisten gejagt wird. Und die Giraffe in dem kurzen Animationsfilm Eine Giraffe im Regen von Pascal Hecqet, die von dem gierigen Löwenkönig ihrer Heimat ins Exil gejagt wird, wundert sich, wie unfreundlich sie im Land der Hunde aufgenommen wird, in dem sie schließlich landet. Spielerisch und humorvoll greift der schön gestaltete Animationsfilm eine ganze Reihe wichtiger Themen auf, die für Kinder, aber auch für Erwachsene bedeutend sind: Machtmissbrauch und Korruption, Rebellion und Anpassung, Flucht und Migration und das Leben in der Fremde.

Mit dem Schicksal der 17-jährigen Choice aus Nigeria greift die Filmemacherin Maria Teresa Camoglio in dem gleichnamigen kurzen Dokumentarfilm auf die perfide Verbindung von Menschenhandel und Prostitution auf, der vor allem junge Frauen auf der Flucht ausgesetzt sind.  Der starken Protagonistin gelingt jedoch auch hier die Flucht und sie findet in einer italienischen Menschenrechtorganisation Schutz und Aufnahme.

Der Film Amsterdam von Philippe Etienne schildert die Begegnung des jungen Bruno mit einem illegalen gleichaltrigen Einwanderer, der in den Weinbergen seines Vaters als Erntehelfer arbeitet. Erst langsam wir ihm bewusst, unter welchem Druck sein neuer Kollege steht, dessen Leben ständig von Ausweisung bedroht ist.

Flucht bedeutet aber nicht nur den Kampf um Leben und Tod, sondern auch Zeiten des Wartens auf bessere Zeiten, bevor wieder ein Schritt auf der Reise in eine vermeintlich bessere Welt getan werden kann. In dem Film Im Land dazwischen portraitiert Melanie Gärtner drei Migranten, die auf dem Weg nach Europa in Ceuta, der spanischen Enklave an der nordafrikanischen Küste, gestrandet sind. Blade Cyrille kommt aus Kamerun, Sekou aus Mali und Babu aus Indien. Sie berichten sowohl vom bisherigen Verlauf ihrer jeweiligen Reise, als auch von ihren Erwartungen an die Zukunft.

Mit der Zeit des Wartens befasst sich auch der Film Hotel Sahara von Bettina Haasen am Beispiel einer kleinen Stadt an der mauretanischen Küste. Dort haben sich die Menschen zwischen Hoffnung und Verzweiflung doch in einem Provisorium eingerichtet.  Den Alltag der bereits viel weiter südlich auf dem Weg nach Europa Gestrandeten beschreibt Idrissou Mora-Kpai in seinem Dokumentarfilm Arlit, ein zweites Paris. Früher war die Stadt in der Wüste des Niger durch den Uranabbau reich geworden, heute ist sie manchmal der letzte Halt auf dem Weg durch den afrikanischen Kontinent nach Norden.

In seinem Spielfilm Die Piroge beschreibt der senegalesische Filmemacher Moussa Touré die gefährliche Überfahrt von Senegal nach Spanien. Auf dem kleinen Schiff kommen  Menschen mit unterschiedlichen Beweggründen, die Reise anzutreten, zusammen. Der herausragende und mehrfach ausgezeichnete Film spielt zum größten Teil in der Enge des Schiffes, das nicht für die Hochseefahrt ausgestattet ist und in der die Menschen die schwierige Überfahrt überstehen müssen.

Warum vor allem junge Männer den Senegal verlassen, dafür bietet der Film Yaayboy von Peter Heller und Barney Rübe Hintergrundinformationen. Die Überfischung der Meere vor den afrikanischen Küsten – die Fangrechte wurden oftmals von den Regierungen der afrikanischen Länder an die EU verkauft – ermöglicht es jungen Männern nicht mehr, Geld für sich und ihre Familien zu verdienen. Dieses Thema, das auch an unsere Verantwortung als KonsumentInnen appelliert, wird auch in dem Film Alptraum im Fischerboot von Klaus Martens und Michael Grytz  vertieft. Dieser Film ist Teil der DVD Unterwegs in die Zukunft. Filme zum Themenschwerpunkt Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt.

Dass die meisten Flüchtlinge gar nicht in Europa, sondern in zum Beispiel in den afrikanischen Nachbarländern Aufnahme finden, zeigt der kurze Dokumentarfilm aus Uganda aus der Reihe Hab und Gut in aller Welt von Gerlinde Böhm. Auch wenn sich die Lage von ruandischen Flüchtlingen in Uganda seit der Entstehung des Films geändert hat, so kann die Situation dennoch Beispielhaft für die Situation vieler Flüchtlinge gewertet werden.

Mit den Augen eines Flüchtlingskindes beschreibt den Alltag der elfjährigen Fatima und ihrer Freundin Jasmin, die mit ihren Familien in einem Flüchtlingslager im Tschad vor dem Bürgerkrieg im Südsudan  Zuflucht gefunden haben. Die schrecklichen Ereignisse der Flucht begleiten sie, auch beim Spielen und den Aufgaben im Alltag.

Die 13-jährige Nima lebt mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern schon seit fünf Jahren in einem Flüchtlingsheim in Holland. Sie erzählt offen, warum sie nicht nach Somalia zurück will und wartet sehnlich auf eine Entscheidung über ihr Aufenthaltsrecht in der neuen Heimat.

Nähere Informationen zu den hier genannten Filmen und weitere Filme zum Thema finden Sie in unserem Katalog.