Arbeitshilfe

Das Geheimnis der Buschleute

The Bushman’s Secret
Ein Film von Rehad Desai
Südafrika, Australien, Deutschland 2006, 63 Min., Dokumentarfilm, OmU

Zusätzliches Bonusmaterial auf der DVD:
- Farbige Arbeitshilfe
- Arbeitsblätter, die die Arbeit mit den Impulsen unterstützen
- Informationsheft: Biopiraten in der Kalahari?
- Fotogalerie

Inhalt
Der südafrikanische Filmemacher Rehad Desai begleitet in seinem Dokumentarfilm Jan van der Westerhuizen, einen der letzten traditionellen Heiler der Khomani San, einem Volk im Süden Afrikas, in die Kalahari. Deren traditionelle Kultur, die seit Jahrhunderten durch koloniale Ausbeutung an den Rand der Existenz gedrängt wurde, droht für immer verloren zu gehen. In der Kalahari wächst der Hoodia-Kaktus, dessen Extrakt appetitzügelnd wirkt. Die Khomani nahmen ihn zu sich, um in schwierigen Zeiten ihren Hunger zu unterdrücken. Seine schonende Vermarktung, so die Hoffnung, könnte dem Volk der Khomani San das Überleben ihrer Kultur sichern. Daran knüpfen die Buschleute nun große Hoffnungen. Bietet der millionenschwere Markt für gewichtsreduzierende Mittel den Buschmännern der Kalahari wirklich eine Chance zur Verbesserung ihrer Lebenssituation?
Die Buschleute sind Jäger und Sammler, sie durchwanderten einst die Weiten der Kalahari. Dabei erwarben sie einen außergewöhnlichen Wissensschatz über Flora und Fauna der Wüste und entwickelten daraus verschiedene Heilverfahren mit Kräutern und Pflanzen. Die global agierende Pharmaindustrie kennt den Wert dieses Wissens und beschäftigt weltweit so genannte Bioprospektoren, die auch als »Goldgräber der Medizin« bezeichnet werden, um sich traditionelles Wissen um die Heilkraft der Natur anzueignen. Die Wirksamkeit der Hoodia-Pflanze blieb ihnen dabei nicht verborgen. Der WIMSA (Arbeitsgruppe für einheimische Minderheiten im südlichen Afrika) und ihrem Menschenrechtsanwalt Roger Chennels gelang es, geringe Gewinnanteile an der Vermarktung ihres traditionellen Wissens einzuklagen und die CSIR (Südafrikanischer Forschungsbeirat für Wissenschaft und Industrie) dazu zu bewegen, die Buschleute als Partner anzuerkennen und eine Lizenzgebühr vertraglich zu garantieren. Ein historischer Sieg mit Fußangeln.
Ein Gespräch mit einer der ältesten noch lebenden Busch-Frauen (»Großmutter«) und ein Gang durch ihr Territorium machen eines deutlich: Die Sorge der »san-people« um das zerbrechliche Ökosystem der Kalahari und den Verlust ihrer kulturellen Identität ist wohl begründet. 1999 fand eine neue Landzuteilung statt, die den Buschleuten aber eine zu kleine Fläche zusprach. Ihre eigentliche Heimat ist nun ein Wildreservat, das zahlreiche Touristen anlockt, ihnen für den Zutritt ihres eigentlichen Heimatlandes aber eine Genehmigung abverlangt. Ein privater Landbesitzer, ein Bure, stellt zudem die kulturelle Identität der Buschleute grundsätzlich in Frage, stammt doch der Protagonist des Films zu einem Teil von einem Deutschen ab und ist nun auf der Suche nach seinen Wurzeln.
Hoodia-Produkte werden inzwischen weltweit vermarktet. Auch der global tätige und omnipräsente Großkonzern Unilever zeigte Interesse daran und begann auf Hoodia zu setzen. Ein ungleicher Kampf zwischen David und Goliath zeichnete sich rasch ab. Auch am Beispiel der Teufelskralle, einem Mittel gegen Arthritis, das von den Buschleuten im Myae-Myae-Naturreservat (Namibia) geerntet und verkauft wird, werden ähnliche Abläufe aufgezeigt. Gleichzeitig scheinen Trophäenjagd und Souvenirproduktion für Touristen immer mehr zur eigentlichen Einnahmequelle zu werden, gleichzeitig verschärft sich mit der steigenden Armut das Alkoholproblem der Buschleute. Eine nächtliche Szene am Feuer verdeutlicht eine ihrer traditionellen Werte und Stärken, nämlich Heilen durch tranceähnliche Tänze, bei denen die Gemeinschaft die einzelnen Mitglieder trägt.
Schließlich versuchen sich der Buschmann, die »Großmutter« und Freunde als Degustatoren, indem sie eine Hoodia-Pille, »Bushman's Secret« genannt, testen. Offenbar scheint nicht in jeder Packung, auf der Hoodia steht, auch Hoodia drin zu sein. Die Hoodia-Pflanze verweigert sich der Massenverwertung. Sie ist rar und wächst langsam.
Trotz aller Widerstände und dem zunehmenden Einfluss der modernen Welt scheint der Wille der Buschleute, für ihre Einheit zu kämpfen, ungebrochen. Ob sie es – nicht zuletzt dank den Lizenzeinnahmen der von ihnen hochgehaltenen Hoodia-Pflanze – schaffen, bleibt offen.

Zum Filmemacher
Rehad Desai ist Historiker, Filmemacher und Produzent aus Südafrika. Er lebte drei Jahre in Zimbabwe, wo er sein Studium abschloss. Ab 1996 beginnt er als Filmproduzent für das Fernsehen zu arbeiten und konzentriert sich dabei überwiegend auf geschichtliche und soziopolitische Themenstellungen. 1997 macht er seinen Doktortitel in Sozialgeschichte an der Universität von Witwatersrand. Im Jahr 2000 ergänzt er seine Studien mit einem Nachdiplom in Film und Fernseh-Produktion. Sein Film Born into Struggle, in dessen Mittelpunkt die Beziehung des Regisseurs zu seinem Vater steht, der eine bedeutende Figur im südafrikanischen Befreiungskampf war, gewinnt international zahlreiche Preise. 2006 erscheint dann sein Film Das Geheimnis der Buschleute.
Gegenwärtig arbeitet Rehad Desai an einem neuen Film mit dem Titel Free Heart, eine Geschichte über die Vater-Sohn-Beziehung in Mozambik.

Würdigung und kritische Einschätzung des Films
Eine aufgehende Sonne, endlose Steppen, vom harten Leben geprägte Gesichter, faszinierende Pflanzen und Tiere, mystische Geschichten am nächtlichen Feuer, Tänze im Trancezustand – eine beinahe idealisierende Darstellung eines uns unbekannten Volkes und einer entlegenen Region. Faszinierende Aufnahmen und spannende Wechsel der Kameraeinstellungen lassen uns eintauchen in eine uns fremde Welt. Diskret und einfühlsam die Rolle des Filmemachers, der es versteht, immer präsent zu sein und vor allem zuzuhören, die Menschen sprechen zu lassen, oft ohne Fragen zu stellen.
Die zahlreichen Interviews holen uns aber immer wieder auf den Boden der Realität zurück. Bei allem Verständnis für die Anliegen der Buschleute bleiben dennoch Fragezeichen. Die Bedrohung indigener Völker und Ausbeutung von deren Rohstoffen ist bekannt und wir sehen uns mit vertrauten Themen konfrontiert; doch es bleibt immer wieder Staunen, dass sich solche Mechanismen, wie sie im Film geschildert werden, heute noch abspielen. Sie erinnern uns unliebsam an die Aborigines in Australien, die Indianer in Nordamerika, die Kaiapo-Indianer im brasilianischen Regenwald, die Inuit inGrönland oder die Penan in Borneo. Die Geschichte scheint sich zu wiederholen und lässt uns trotz allem Verständnis etwas hilflos zurück. Uns BetrachterInnen mag es wohl ähnlich ergehen, wie den Betroffenen in der Kalahari-Wüste: hin- und hergerissen zwischen Traditionen, überliefertem Wissen einerseits und der modernen, schnelllebigen Gesellschaft, von der wir Teil sind. Andere, neue Wege zu gehen, ist nicht nur für uns ein schwieriger Prozess; auch die Buschleute ringen um einen Ausweg aus einer sich zuspitzenden Misere. Ob die Buschleute sich nun zwangsläufig anpassen oder ob sie und ihre kulturellen Lebensformen geschützt werden müssen, bleibt offen. Durch die provokative Aussage eines weißen Großgrundbesitzers wird die kulturelle Rückbesinnung des Buschmanns auch in Frage gestellt, wenn dieser ihm seine Abstammung von einem deutschen Großvater zum Vorwurf macht. Doch dies reflektiert Jan van der Westerhuizen sehr wohl selbst, wenn er am Beispiel des Sprachverlustes – er selbst spricht nur noch einige Worte der San-Sprache – die Frage nach seiner kulturellen Identität aufwirft. Einen Weg zwischen notwendigem Kulturwandel und Rückbesinnung zu finden, wird auch von wirtschaftlichen Fragen abhängen. Unbeantwortet bleibt dabei die Frage, ob das Geld aus den Lizenzeinnahmen dabei hilft oder sich auch als Gefahr erweisen kann.
Was im Film zu kurz kommt, ist die direkte Konfrontation mit den großen Multis wie Unilever, welche die Hoodia-Pflanze vermarkten. Die Frage, ob die Vermarktung als Diätmittel legitim ist oder eine Form von Ausbeutung darstellt wird nicht explizit beantwortet, aber wo die Sympathien des Filmemachers liegen ist klar. Wohl nimmt der Filmemacher einen Anlauf, deren Exponenten vor die Kamera zu kriegen, aber es bleibt bei einem halbherzigen Versuch. Ausdruck von Hoffnungslosigkeit oder Setzen von Prioritäten?
Der Wille der betagten »Großmutter«, weiterzukämpfen für die Einigkeit ihres Volkes, ist zwar bewundernswert, scheint aber eher hoffnungslos. Die Buschleute in Namibia und Südafrika haben sich mit den Tourismus-Unternehmen arrangiert, mit allen Vor- und Nachteilen. Der Schluss bleibt insofern offen und die Zukunft für die Buschleute mehr als ungewiss.
Das Geheimnis der Buschleutespricht in seiner ganzen Widersprüchlichkeit und Unvollständigkeit zahlreiche zentrale Themen wie Biodiversität, Artenvielfalt,indigene Völker und ihre Rechte, kulturelle Rückbesinnung, Lebensstil, Konsum- und Reiseverhalten, Biopiraterie, Patentschutz, globalisierte Pharmaindustrie, Schlankheitswahn etc. an. Ein fächerübergreifender Unterricht bietet sich geradezu an. Dies bedingt aber eine intensive thematische Einarbeitung und Vorbereitung der Lehrperson voraus. Für den Unterricht ist der Film eigentlich zu lang, doch ist es mit der Kapiteleinteilung auf der DVD auch möglich, bei einer geeigneten Einführung ausschnittweise und themenspezifisch zu arbeiten. Mit einer Fokussierung auf die in den didaktischen Impulsen beschriebenen Hauptthemen lassen sich die inhaltlichen Längen des Films vermeiden und überflüssige Szenen umgehen. Vor dem Hintergrund der aktuellen und brisanten Themen, die uns und die Zukunft unserer Kinder mehr oder weniger direkt angehen, ist der Film allemal empfehlenswert; insbesondere für die Gymnasialstufe, für themenspezifische Seminare in der Erwachsenenbildung oder der kirchlichen Arbeit.

Hintergrund 1
Auszug aus: de.wikipedia.org/wiki/Hoodia_gordonii
Hoodia gordonii, oft auch einfach nur bzw. unzutreffender Hoodia-Kaktus  genannt, ist kein Kaktus, sondern eine sukkulente Pflanze, die zur Unterfamilie der Seidenpflanzengewächsen (Asclepiadoideae) innerhalb der Familie der Hundsgiftgewächse (Apocynaceae) gehört und nur von der Form her stark an Kakteen erinnert.
Hoodia gordonii erreicht Wuchshöhen von bis zu 60 Zentimetern und ist einfach bis stark verzweigt. Die Äste sind walzen- bzw. gurkenförmig und mit röhrenförmigen Stacheln bedeckt. Die tellerartigen, meist lachsfarbenen Blüten sind etwa 5 bis 11 Zentimeter groß. Die Kapselfrüchte erreichen eine extreme Länge von bis zu 250mm.

Ökologie
Hoodia wächst in den Halbwüsten im südlichen Afrika, also in sehr salztrockenen Gegenden, bevorzugt auf sandigem Grund, manchmal auch auf Fels. Das Hauptverbreitungsgebiet ist die Namibische Kalahari-Wüste. Sie wird dort über vierzig Jahre alt, kann ein Jahr ohne Regen auskommen, wirkt unscheinbar, sieht nicht gerade appetitanregend aus und ist wenig nahrhaft. Diese Pflanze wird auch die »Aas-Blume« (»carrion flower«) genannt, weil die Blüten nach verwesendem Fleisch riechen. Der Gestank zieht Fliegen an, die ihre Eier in den Blüten ablegen und sie dabei bestäuben.

Nutzwirkung beim Menschen
Die Khoi-San (Buschmänner) im südlichen Afrika nennen sie »Kowa«. Von ihnen wird sie seit Generationen für ihre Hunger stillende Wirkung geschätzt. Ihre Legenden erzählen davon, dass sie in Notzeiten und auf langen Jagdausflügen, auf denen die Jäger das erlegte Wild nicht selbst essen, sondern für alle in ihr Dorf zurückbringen wollten, mit den leicht bitteren Spross-Stücken der Hoodia tagelang Hunger und Durst stillen konnten. Diese appetithemmenden Eigenschaften wurden erst in den 1960er Jahren bekannter, als südafrikanischen Soldaten die appetitzügelnde Wirkung auffiel. Damals hatten sie Buschleute als Fährtenleser im Angola-Krieg eingesetzt, die unterwegs fast ohne Verpflegung auskamen. Stattdessen aßen sie immer wieder ein Stück der Hoodia.
Die Hoodia-Pflanze enthält angeblich aber nicht nur appetitzügelnde Substanzen. Die Spross-Stücke sollen von den Khoi-San auch als Heilmittel gegen Husten und Erkältungskrankheiten und als Aphrodisiakum genutzt worden sein.

Ökologische Gesichtspunkte/Artenschutz
Die steigende Nachfrage einiger Pharmaunternehmen lässt die Hoodia-Bestände rapide sinken. Nur wenige seriöse Händler legen Wert auf eine bestandsschonende Einsammlung. Hoodia gordonii steht in Südafrika unter gesetzlichem Naturschutz; die ganze Gattung Hoodia wurde im Jahr 2004 auch international unter Artenschutz gestellt (13. Vertragsstaatenkonferenz zum Washingtoner Artenschutzübereinkommen). Damit dürfen sowohl ganze Pflanzen als auch Teile und Erzeugnisse daraus (z.B. pharmazeutische Produkte/Nahrungsergänzungsmittel) nur gehandelt werden, wenn eine naturverträgliche Herkunft nachgewiesen wird. Verstöße gegen die bestehende Aus- bzw. Einfuhrgenehmigungspflicht können Bußgeld- und sogar Strafverfahren nach sich ziehen. Selbst im innereuropäischen Handel muss sowohl der Verkäufer als auch der Käufer belegen können, dass das Produkt oder die verarbeitete Pflanze mit den genannten Genehmigungen in die EU gelangt ist. Dies gilt auch bei Einkäufen über das Internet, insbesondere wenn die Sendung aus einem Nicht-EU-Staat kommt.
Da im südlichen Teil der Kalahari nur 20 Millimeter Regen pro Jahr niederfällt, braucht die Wüstenpflanze normalerweise viel Zeit zum Wachsen. Seitdem die Wildbestände zurückgehen, gibt es Versuche, Hoodia zu kultivieren. Gut bewässert, auf Sand und Kompost, wächst die Pflanze plötzlich doppelt so schnell. Doch Pharmazeuten bezweifeln, dass sie damit auch genauso oder gar doppelt wirksam ist, verglichen mit den in der freien Natur langsam aufwachsenden Pflanzen. Trotz dieser berechtigten Zweifel ist die Nachfrage vor allem im Internet sehr hoch. Experten empfehlen jedoch, von dubiosen Internetangeboten Abstand zu nehmen, denn damit unterstützt man wahrscheinlich nur die hemmungslose Zerstörung der natürlichen Bestände ohne Garantie auf eine tatsächliche Wirkung.

Hintergrund 2
Auszug aus: www.zauberpflanzen.de/hoodia-gordonii.htm, einer Internetseite für den Handel mit sogenannten ethnobotanischen Pflanzen (traditionellen Heilpflanzen)

Hoodia Gordonii – stillt das Hungergefühl
Wer unter Übergewicht leidet, hat in der Regel schon alles probiert: Von den unterschiedlichsten Diäten bis hin zu fragwürdigen »Wundermitteln«. Diäten ziehen meist den gefürchteten Jojo-Effekt nach sich, und die »Wundermittel« sind im besten Fall wirkungslos und im schlimmsten Fall schaden sie dem Körper sogar. Jetzt gibt es eine echte Lösung für alle Übergewichtigen: Hoodia, ein südafrikanisches Kaktusgewächs, das bei den Ureinwohnern, den als Buschmännern bekannten San, schon seit Jahrtausenden eingesetzt wird. Hoodia ist ein hungerstillendes, natürliches pflanzliches Produkt das wirklich funktioniert! Die Wirksamkeit ist durch umfangreiche wissenschaftliche Studien zweifelsfrei erwiesen und Nebenwirkungen sind nicht bekannt. Durch die Einnahme von Hoodia verringern Sie auf natürliche Weise ihre tägliche Kalorienaufnahme um 30 bis 50 Prozent – einfach dadurch, dass Hoodia das Hungergefühl unterdrückt.

So funktioniert Hoodia
Normalerweise tritt ein Sättigungsgefühl ein, sobald der Blutzuckerspiegel aufgrund von Nahrungsaufnahme ansteigt. Die im Blut befindlichen Glukosemoleküle werden dann im Gehirn, genauer gesagt im Hypothalamus, von spezialisierten Nervenzellen registriert, die dann wiederum Signale aussenden, die das Sättigungsgefühl auslösen. Das in Hoodia enthaltene Wirkstoffmolekül P57 bewirkt nun in etwa denselben Effekt, wobei klinische Tests allerdings ergeben haben, dass ihr Wirkungsgrad circa 10.000 mal stärker ist, als der des Glukosemoleküls. Deshalb ist Hoodia so effektiv; Sie können einfach nichts mehr essen, selbst wenn Sie es wollten.

Die »san-people« (Buschmänner) und Hoodia
Die Buschmänner aus der Kalahari Wüste im südlichen Afrika kennen die Wirkung des Hoodia Kaktus bereits seit Jahrtausenden. Sie gehören zum Stamm der Khoi-San und werden auch »San-People« genannt. In dieser unwirtlichen Umgebung sind die San seit jeher darauf angewiesen, mit wenig auszukommen und manchmal sogar tagelang ganz ohne Nahrung zu überleben. Insbesondere auf ihren ausgedehnten Streifzügen bei der Jagd war es stets wichtig für die San, ihr Hungergefühl unter Kontrolle zu halten. Der Körper kann zwar ohne weiteres einige Tage ohne Nahrung auskommen, doch Hunger ist ein quälendes Gefühl, das die Vernunft trüben und übermächtig werden kann. Die Jäger aber durften sich dadurch nicht verleiten lassen, das erlegte Wild schon an Ort und Stelle zu verspeisen, denn zu Hause wartete die übrige Stammesgemeinschaft darauf, dass sie Nahrung für alle heim brachten. Durch das Kauen von Hoodia konnten die Jäger verhindern, vom Hungergefühl überwältigt zu werden. Die Hoodia-Pflanze spielt eine elementare Rolle im Überlebenskampf der San-People. 1996 gelang es südafrikanischen Wissenschaftlern erstmals, den in Hoodia enthaltenen Wirkstoff »P57« zu extrahieren. Seither arbeiten Pharmakonzerne an der Vermarktung des Wirkstoffes, den der südafrikanische Forschungsbeirat für Wissenschaft und Industrie sich patentieren ließ um dann die Lizenzen dafür zu vergeben. Die San-People selbst hatten das Glück, durch die Unterstützung einiger humanitärer Organisationen und eines Anwaltes für Menschenrechte eine Beteiligung an den künftigen Gewinnen der Hoodia-Lizenzen zugesprochen zu bekommen. So werden die San mit 6 Prozent an den Gewinnen beteiligt, die durch ihr eigenes, überliefertes Wissen überhaupt erst möglich wurden. Auf diese Weise wird Hoodia also auch in Zukunft das Überleben des stolzen Volkes der Khoi-San sichern.

Hintergrund 3: Biopiraten klauen traditionelles Wissen
Michael Frein, Evangelischer Entwicklungsdienst (EED)
© taz Entwicklungs GmbH & Co. Medien KG
Pflanzen und das Wissen über ihren Nutzen sind eng mit der einheimischen Bevölkerung verbunden. Sie drohen zum Selbstbedienungsladen internationaler Unternehmen zu werden, ohne die Einheimischen an den Gewinnen zu beteiligen.
Die San im südlichen Afrika, uns seit der Kolonialzeit als Buschleute bekannt, leben am Rande der Gesellschaft: bitterarm, ohne Bildung, ohne Perspektive. Aber sie haben etwas, was die Manager von Unilever mächtig interessiert: Hoodia. Diese kaktusähnliche Pflanze nutzen die San seit Jahrhunderten. Der appetitzügelnde Wirkstoff der Hoodia-Pflanze ist für sie ein Retter in der Not, der den Hunger unterdrückt. Was liegt für Konzerne wie Unilever näher, als daraus ein Diätpräparat zu entwickeln, das dem Übergewicht in den Industrieländern szu Leibe rückt und fette Gewinne verspricht?

Erst fragen, dann nehmen
Die Frage ist: darf Unilever das? Die Antwort auf diese Frage wird derzeit im Rahmen der Verhandlungen der 1992 unterzeichneten Konvention über die biologische Vielfalt (CBD) diskutiert. Die Konvention sagt zunächst: Konzerne wie Unilever dürfen genetische Ressourcen und traditionelles Wissen nutzen. Allerdings ist dies an Bedingungen geknüpft: Es muss eine vorherige informierte Zustimmung der Bereitsteller dieser Ressourcen vorliegen sowie eine Vereinbarung, wonach diese gerecht an den Gewinnen, die aus der Nutzung entstehen, beteiligt werden. Wer aber sind diese Bereitsteller? Zunächst einmal die Staaten, sagt die Konvention. Erst in zweiter Linie, unter dem Vorbehalt der nationalen Gesetzgebung, die indigenen Völker.
Diesen Vorbehalt haben die UN-Mitglieder im September 2007 im Grunde aufgegeben, als sie der – völkerrechtlich allerdings unverbindlichen – UN-Erklärung über die Rechte indigener Völker zustimmten. Klar ist: genetische Ressourcen und traditionelles Wissen ohne vorherige informierte Zustimmung und gerechten Vorteilsausgleich zu nutzen, ist Biopiraterie. Die CBD hat die Opfer von Biopiraterie in der Praxis allerdings weitgehend allein gelassen. Deshalb fordern Entwicklungsländer und Nichtregierungsorganisationen ein völkerrechtlich verbindliches internationales Regime. Indigene Völker pochen auf ihre Rechte, die die Staaten mit der UN-Erklärung anerkannt haben.

Der Zankapfel Patentrecht
Zu den wichtigsten Konfliktpunkten gehört dabei das Patentrecht. Für ein Patent muss das zu schützende Produkt beziehungsweise Verfahren neu sein, auf einer erfinderischen Tätigkeit beruhen und gewerblich nutzbar sein. Voraussetzung für ein Patent sind jedoch nicht die CBD-Regeln einer vorherigen informierten Zustimmung und einer gerechten Gewinnbeteiligung. Zudem drohen durch den TRIPS-Vertrag der Welthandelsorganisation WTO zu Rechten an geistigem Eigentum den Ländern, die sich nicht an die Regeln des Patentrechts halten, Handelssanktionen. Verstöße gegen die Konvention über die biologische Vielfalt sind bestenfalls unfein, konkrete Folgen sind nicht zu erwarten.
Und so geht die Biopiraterie fröhlich weiter: ein Wirkstoff aus der Paranuss für glänzendes Haar, Rinde und Blätter des Bocoa-Baumes für glatte Haut, südafrikanische Pelargonien gegen Husten, die Samen des indischen Neembaums zur Schädlingsbekämpfung – und eben Hoodia gegen Übergewicht.
Die Möglichkeiten der Regierungen des Südens und der indigenen Völker, sich gegen solche Biopiraterie zu wehren, sind praktisch gleich null. Die indigenen Völker müssen gleich mehrfach für ihre Rechte kämpfen: gegen die Konzerne und Regierungen des Nordens, aber auch gegen die Regierungen des Südens. Besonders bitter haben die San dies erfahren müssen, war es doch ein halbstaatliches südafrikanisches Forschungsinstitut, das den appetitzügelnden Wirkstoff der Hoodia-Pflanze patentierte. Nur durch Druck der internationalen Zivilgesellschaft wurden die San letztendlich an den Lizenzeinnahmen beteiligt, ein legales Mittel zur Durchsetzung ihrer Rechte hatten sie nicht. Und ihre Rechte an ihrem traditionellen Wissen waren ohnehin mit Füßen getreten.

Zertifikate als Lösung?
Deshalb wird sich ein internationales Regime vor allem daran messen lassen müssen, inwiefern es die indigenen Völker im Kampf um die Rechte an ihren genetischen Ressourcen und ihrem traditionellen Wissen unterstützt. Hilfreich könnte dabei ein Zertifikat sein, das die Nutzung genetischer Ressourcen und traditionellen Wissens verbindlich an den Nachweis einer vorherigen informierten Zustimmung und einer Vereinbarung zum gerechten Vorteilsausgleich knüpfen würde. Ohne Zertifikat wären weder Forschung noch Vermarktung oder Patentierung erlaubt. Aber eine Zustimmung zur Nutzung müsste nicht automatisch die Zustimmung zur Patentierung nach sich ziehen, Patente auf Leben könnten auch explizit untersagt werden. Ein solches Zertifikat wäre ein erster Schritt zur Stärkung der Souveränität indigener Völker über ihre genetischen Ressourcen und ihr traditionelles Wissen und deshalb ein wichtiger Baustein im Kampf gegen Biopiraterie. Denn dabei es geht nicht in erster Linie um Geld. Es geht vor allem um Rechte.

Lernziele

  • Anhand einer Begegnung mit Buschleuten in Südafrika die Traditionen und Zukunftsaussichten einer indigenen Minderheit kennen lernen.
  • Einblick in die Kultur und Gegensätze zwischen den ehemaligen weißen Kolonialherren und der schwarzen Mehrheitskultur erhalten und die Schwierigkeiten zwischen kultureller Rückbesinnung und Anpassung an die Moderne erkennen.
  • Sich am Beispiel der Hoodia-Pflanze einen Überblick über das aktuelle Thema »Biodiversität« verschaffen.
  • Interessens- und Nutzungskonflikte in Fragen der Patentierung zwischen indigenen Völkern, Staaten und Großkonzernen wie Unilever erkennen.
  • Aussichten und mögliche Strategien für die Buschleute erarbeiten.
  • Am Beispiel der Hoodia-Pflanze die Möglichkeiten einer nachhaltigen Entwicklung (ökologisch, ökonomisch und sozial) aufzeigen.

Film-Kapitel »Das Geheimnis der Buschleute«
1. Das Selbstverständnis der Khomani San (ab 0'00 Min.)
2. Das traditionelle Wissen vom Heilen (ab 6'30 Min.)
3. Der Vertrag mit CSIR (ab 17'48 Min.)
4. Die Dachorganisation WIMSA (ab 22'52 Min.)
5. Das Wissen der alten Ouma (ab 26'00 Min.)
6. Die Landfrage (ab 31'32 Min.)
7. Elias – die Sichtweise eines weißen Mannes (ab 35'32 Min.)
8. Unilever und seine Produkte (ab 41'00 Min.)
9. Das Nyae-Nyae-Reservat (ab 45'57 Min.)
10. Die Kraft des Tanzes (ab 53'03 Min.)
11. Hoodia – Pille oder Heilpflanze? (ab ca. 55'52 Min.)

Didaktische Impulse
Vorbemerkung
Angesichts der Länge des Films und den befrachteten Stoffplänen in den Schulen sind ein paar Hinweise zum differenzierten Einsatz hilfreich.

Einsatz im Schulalltag

  • Die didaktischen Vorschläge können im schulischen Unterricht kaum in der ganzen Ausführlichkeit behandelt werden. Sie sind als Module zu betrachten, das heißt es kann mit dem Film auch ausschnittweise gearbeitet werden.
  • Als minimalen Zeitrahmen sind vier Lektionen vorzusehen; zum Beispiel: Lektion 1 Visionieren der Ausschnitte 2 und 8 und erste Auswertung; Lektion 2 Arbeitsblatt 2 zur Biodiversität und Recherchen zur Biopiraterie; Lektion 3 Auswertung der Recherchen und Diskussion; Lektion 4 Strategien entwickeln (wie soll die Zukunft für die Buschleute aussehen?).

Im fächerübergreifenden Unterricht

  • Ein Einsatz im fächerübergreifenden Unterricht (Geografie, Wirtschaft, Chemie, Lebenskunde, Religion, Geschichte/Staatskunde, Mensch/Umwelt etc.) ist empfehlenswert, um der Komplexität der im Film angesprochenen Themen gerecht zu werden.
  • Zum Beispiel: Lebensstil und kulturelle Rückbesinnung in lebenskundlichen Fächern; koloniale Vorgeschichte und aktuelle politische Situation in Geschichte und staatskundlichen Fächern; Patentfrage und Abgeltung der Rechte im Fach Wirtschaft / Ökonomie; chemische Wirkstoffe in der Hoodia-Pflanze und in synthetischen Präparaten in der Chemie; ökologische Folgen der Gewinnung der Hoodia-Pflanzen im großen Stil im Fach Mensch / Mitwelt / Umwelt etc.

In der Erwachsenenbildung

  • In Seminaren und Workshops ist eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem ganzen Film realistisch. Der präsentierte Aufbau (Begegnen, Recherchieren, Strategien entwickeln) kann dabei ein hilfreicher Leitfaden sein. Auch hier ist eine Auswahl durch die Lehrperson nötig.
  • Zum Beispiel kann der Film in voller Länge gezeigt werden, können Reaktionen gesammelt und diskutiert werden. Die vorgeschlagenen Elemente in den Impulsen lassen sich mit einem großzügigen Zeitbudget umsetzen.

Vorbereitung auf den Film

  • Eigenes Wissen über Buschleute austauschen.
  • Aktuelle Informationen zur politischen Lage in Südafrika und Namibia recherchieren.
  • Beobachtungsaufgaben (ev. gruppenweise): Rolle verschiedener Personen im Film (Filmemacher, Bure, Apotheker, WIMSA-Chef, CSIR-Vertreter, San …), filmische Qualitäten (Montage, Filmaufbau, Kameraeinstellungen …).

Film visionieren

  • Um einen ersten Eindruck vom Leben der Buschleute zu erhalten, ist es sicher angebracht, den Film nach entsprechender Einführung als Ganzes anzuschauen und auf sich wirken zu lassen.
  • Man könnte den Film auch unterbrechen, zum Beispiel nach dem zweiten Kapitel, und Vermutungen anstellen lassen, wie die soziale und wirtschaftliche Zukunft der Buschleute aussehen könnte.
  • Einzelne Kapitel des Films können in der Weiterarbeit nochmals angeschaut und detailliert ausgewertet werden (siehe Impulse).

Erste Auswertung

  • Beobachtungsaufgabe: Erste Eindrücke zu den Themen sammeln (Wandprotokoll).
  • Allgemeine Eindrücke können ausgetauscht, Fragen formuliert und gesammelt werden.
  • Aufgrund der Fragen und Bedürfnisse der Gruppe kann dann das weitere Vorgehen definiert werden.
  • In den KOPIERVORLAGEN (in der ausführlichen Arbeitshilfe, die auf der DVD zu finden ist) finden sich Zusatzinformationen zu ausgewählten Kapiteln. Die Texte können für die SchülerInnen kopiert werden.

Die intensive Filmauswertung kann in folgenden drei Schritten ablaufen:
Begegnen
Recherchieren
Strategien entwickeln

Zu jedem Impuls steht in der ausführlichen Arbeitshilfe auf der DVD ein ARBEITSBLATT zum selbständigen Arbeiten für die SchülerInnen zur Verfügung.
Impuls 1: Die Buschleute – eine Begegnung / Die Buschleute – ein Dialog (Fragen / Brief)
Siehe dazu: Kopiervorlage Arbeitsblatt 1 auf der DVD
FILM.KAP. 2 / 5
Der Filmemacher begleitet den Buschmann und Heiler in sein Dorf und in die Wüste und wird Zeuge der traditionellen Heilung eines Kranken. Die alte Großmutter der Khomani, Ouma Gcuna, stößt dazu und gibt Einblick in ihr traditionelles Wissen.

Vorbereitung

  • Filmkapitel 2 und 5 nochmals gemeinsam anschauen und stichwortartige Notizen machen: Wie lässt sich die Lebensweise der Buschleute charakterisieren? Welche besonderen Fähigkeiten haben sie? Welche spirituelle Einstellung haben sie gegenüber der Natur? Welche Verhaltensweisen sind uns gänzlich fremd?
  • ARBEITSBLATT 1 selbständig ausfüllen lassen. Ziel: einen fiktiven Dialog mit den Buschleuten aufnehmen und die eigene Lebensanschauung hinterfragen. Ist ein Dialog unserer zwei so unterschiedlichen Welten überhaupt möglich?
  • Der Gruppe erklären, weshalb man gerade dieses Zitat ausgewählt hat und einen kurzen Kommentar dazu abgeben (persönliche Einstellung dazu).
  • Nachdem alle dran waren, die gleichen Zitate gruppieren.
  • In kleinen Gruppen aufgrund der Eindrücke aus dem Film und der Zitate ein Porträt des Buschmanns erstellen.

Fragenkatalog (fiktives Interview)

  • In Zweier- oder Dreier-Gruppen Fragen an den Buschmann und/oder die Großmutter zusammenstellen, zum Beispiel zu deren Befindlichkeit, ihren Alltagsproblemen, ihren Freuden, ihren Zukunftsaussichten. Grundlagen: Filmszenen, Wandprotokoll, Arbeitsblatt Zitate.
  • Die erarbeiteten Fragen zwischen den Gruppen austauschen und mögliche Antworten dazu suchen.

Auswertung

  • Das Wandprotokoll aus der ersten Auswertung mit weiteren Stichworten ergänzen, Themenschwerpunkte bilden und kurz diskutieren.
  • Überlegen, was wir den Buschleuten aufgrund des Gesehenen mitteilen möchten und einen persönlichen Brief verfassen.

Diskussion

  • Überlegungen zum Lebensstil der Buschleute anstellen und austauschen.
  • Chancen für die Buschleute und ihre Kultur einschätzen.
  • Zukunftsszenarien im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung erarbeiten.

Impuls 2: Hoodia-Pflanze; Biodiversität, Artenschutz, Fragen der Patentierung und die Rolle von Großkonzernen (Sich informieren / diskutieren)
Siehe dazu: Kopiervorlage Arbeitsblatt 2 auf der DVD
FILM.KAP. 2 / 8 / 11
Der Buschmann erzählt über Eigenart und Wirkung der langsam wachsenden Hoodia-Pflanze. In einer normalen Drogerie entdecken der Buschmann und Rehad Desai immer neue Produkte des Großkonzerns Unilever. Gemeinsam stellen sie fest, dass deren Hoodia Pillen zwar nach Hoodia-Extrakt schmecken, aber wohl kaum deren originale Wirkung haben.

Einstieg

  • Film-Kapitel 2 und 11 nochmals anschauen.
  • ARBEITSBLATT 2 selbständig ausfüllen lassen.

Fragen (Plenum)

  • Ergebnisse des ARBEITSBLATTES austauschen, Fragen stellen, Ergänzungen anbringen.

Recherchen (angesichts des umfangreichen und komplexen Themas Aufträge an verschiedene Gruppen verteilen)

  • Weitere Recherchen zu Biodiversität anstellen (siehe bei den Quellenhinweisen unter LINKS); Kopiervorlagen verteilen.
  • Sich anhand der Hintergrundinformationen genauer über die Eigenarten der Hoodia-Pflanze und der Teufelskralle informieren (siehe Zeitungsartikel und »Biopiraten in der Kalahari?« (auf der DVD), bzw. LINKS).
  • Sich über die Resultate der UN-Konferenz über Biodiversität in Bonn (2008) ins Bild setzen (LINKS).
  • Die Patentierung von Pflanzen durch ausländische Firmen ist in Südafrika an der Tagesordnung. Die Interessen des Staates gehen dabei grundsätzlich vor und wenn sich niemand wehrt, würde die Sache immer so weiter laufen. Herausfinden, was es für eine Patentanmeldung braucht (LINKS).
  • Sich über den Stand und die Folgen von Biopiraterie informieren (LINKS).

Information

  • Film-Kapitel 8 nochmals anschauen.
  • Sich über den im Film erwähnten Großkonzern Unilever informieren (siehe LINKS). Firmenphilosophie, Angebote, weltweite und nationale Zusammenarbeit mit Ernährungsprogrammen …
  • Eine Produkteliste von Unilever-Produkten bei uns erstellen (http://www.unilever.de/)
  • Den eigenen Haushalt nach Unilever-Produkten untersuchen. Wo gibt es Alternativprodukte?

Diskussion (Plenum)

  • Aufgrund des gesammelten Wissens folgende Thesen der DEZA (Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit/CH) diskutieren:
    »Biodiversität und Artenschutz sind die Lebensversicherung der Menschen«
    »Die Lokale Bevölkerung ist der Schlüssel zur Erhaltung der Biodiversität«.
    Dabei ist Themenfeldern wie:
    »Im Spannungsfeld zwischen Nutzung und Erhaltung«
    »Nahrungssicherheit«
    »Öffnung und Liberalisierung der Agrarmärkte« oder
    »Freier Handel und Abbau von Schutzzöllen« besonderes Augenmerk zu leihen.
  • Die wichtigsten Ergebnisse der Diskussion stichwortartig für die Fortsetzung der Arbeit festhalten.

Impuls 3: Strategien entwickeln, Verhandeln (Rollenspiel / Podium)
Siehe dazu: Kopiervorlage Arbeitsblatt 3 auf der DVD
FILM.KAP. 3 / 4 / 6 / 8
Der CSIR anerkennt die Buschleute zwar als Partner, doch deren Beteiligung an den Lizenzverträgen ist sehr gering. Die WIMSA setzt sich als Dachorganisation für die Anliegen der Buschleute ein. Die umstrittene neue Landzuteilung von 1999 wirkt sich für die indigenen Völker nur bedingt positiv aus. Der Großkonzern Unilever profitiert am meisten von der Patentierung von einheimischen Pflanzen.

Erste Schritte

  • Die vier Filmkapitel nochmals anschauen und die wichtigsten Argumente und Strategiepunkte der folgenden Hauptakteure im ARBEITSBLATT 3 individuell festhalten:
    Kap. 3 – CSIR (Südafrikanischer Forschungsbeirat für Wissenschaft und Industrie)
    Kap. 4 – WIMSA (Arbeitsgruppe für einheimische Minderheiten im südlichen Afrika)
    Kap. 6 – Staat Südafrika (Präsident Thabo Mbeki)
    Kap. 8 – Unilever (internationaler Großkonzern)
    Film wird nach jedem Ausschnitt kurz gestoppt, damit Zeit für Notizen ist.
  • Das ARBEITSBLATT dient als Gedankenstütze für die Vorbereitung des folgenden Rollenspiels und/oder einer Strategiediskussion.
  • Ziele, die im Folgenden erreicht werden sollen, in Zweier-Gruppen andiskutieren, im ARBEITSBLATT festhalten und anschließend im Plenum zusammentragen. Resultate an einer großen Wand gut sichtbar festhalten. Zum Beispiel:
    - Artenvielfalt erhalten und indigene Minderheiten schützen
    - Nahrungssicherheit garantieren
    - Kulturelles Erbe bewahren
    - Die Zukunft aktiv mitgestalten
  • Größtmöglichen oder angemessenen wirtschaftlichen Profit erreichen – zum Wohle aller.     Zustimmung der indigenen Bevölkerung vor der Patentierung einholen.
  • Forschung fördern und allen Bevölkerungsschichten zugute kommen lassen …

Ob sich die Gruppe eher zum Schutz von Minderheiten hingezogen fühlt, ob sie vor allem wirtschaftsfreundlich agieren oder gar neue Wege zur Förderung aller Interessen suchen will, hängt von ihrem »politischen« Willen ab. Größtmögliche Offenheit und kontroverse Gedanken können die Diskussion nur anregen. Der Unterricht bietet dazu ein ideales Übungsfeld.

Rollenspiel/Plenumsdiskussion
Eine Verhandlungsrunde mit allen wichtigen Akteuren aus dem Film plus eine Konsumentenvertretung kann in einem Rollenspiel nur dann erfolgreich sein, wenn die Grundlagen aus den Impulsen 1 und 2 (Begegnung / Recherchen) entsprechend genutzt werden. Dazu braucht es minimale Kenntnisse der Lage in Südafrika und der Wirtschaft im Allgemeinen und der Situation der Buschleute und der Hoodia-Produktion im Speziellen.
Vorbereiten

  • Rollen gemäß ARBEITSBLATT verteilen (CSIR, WIMSA, Regierung SA, Unilever). Als fünfte und sechste Gruppe könnten noch ein/e VertreterIn der San bzw. der KonsumentInnen dazu kommen. Die Gruppen sollten in etwa gleich groß sein.
  • Die Gruppen ziehen sich für die Beratung für ca. 20 Minuten zurück und bereiten sich auf ihre Rolle in den anstehenden Verhandlungen vor.
  • Das Erstellen einer kleinen Sammlung von Argumenten und einer Strategie kann dabei hilfreich sein. Bauchargumente sind keineswegs ausgeschlossen, kommen sie doch in Politik und Wirtschaft viel öfter zum Zug, als allgemein angenommen wird.
  • Die Gruppen schreiben sich nach eigenem Gutdünken an oder tragen alle ein markantes Kleidungsstück etc..
  • Die Lehrperson bereitet sich auf ihre Funktion als ModeratorIn vor.

Verhandeln (Rollenspiel)

  • Die fünf Interessengruppen (CSIR, WIMSA, Regierung SA, Unilever, KonsumentInnen) verteilen sich im Raum (Variante: je 2 VertreterInnen auf einem Podium mit wechselnden Rollen).
  • Die Moderation übernimmt die Lehrperson.
  • Ein klarer Zeitrahmen wird vorgegeben, zum Beispiel max. 20 bis 30 Minuten.
  • Ziel des Rollenspiels ist es, die anderen von den eigenen Argumenten und Strategien zu überzeugen.

Auswertung

  • Austauschen, wie man sich in seiner Rolle gefühlt hat. Überlegen, welche zusätzlichen Argumente oder Hilfen für eine erfolgreiche Verhandlung nötig gewesen wären.
  • Die größten Widersprüche kurz festhalten. Überlegen, was es bräuchte, um diese Differenzen zu überwinden und eine gemeinsame Lösung zu finden (gibt es überhaupt eine?).
  • Eine persönliche Einschätzung zum Rollenspiel angeben.

 

Variante 2 zur Weiterarbeit: Strategien entwickeln

  • Strategie für die Zukunft der Buschleute entwickeln.

Dabei sind folgende Punkte zu berücksichtigen:

  • Welche Ziele wollen wir erreichen? (Angemessene finanzielle Beteiligung an Vermarktung der Hoodia-Pflanze, Rückkehr zu alten Traditionen, Schutz vor Biopiraterie …).
  • Welches sind dabei die größten Hindernisse?
  • Wie könnten wir diese Hindernisse überwinden?
  • Welche Hilfe und/oder PartnerInnen bräuchten wir dazu?
  • Sich wenn möglich auf eine Strategie einigen, Vorschlag an den Filmemacher schicken (bez. Buschleute); Anteil an ihrem Schicksal nehmen und in einen direkten Dialog treten.

Weitere Anregungen zu einzelnen Film-Kapiteln
Koloniale Vergangenheit und kulturelle Rückbesinnung

FILM.KAP. 1 und 7
LINKS (siehe Quellenhinweise)
»Verschiedene Einwandererströme prägen die Entwicklung des Landes am Kap. Die Interessen von Jägern und Nomaden, Bauern und Siedlern sowie mehreren Kolonialmächten widerstreiten sich. Die Zulukriege und die Separation der Buren von den Briten führen zu großen Bevölkerungsbewegungen und zur Bildung mehrerer Staatengebilde ….«
»Bis ums Jahr 0 streifen die so genannten Buschleute, die San und Khoi-Khoi, als Jäger bzw. Nomaden durchs Land. Nach Messungen an ältesten Knochenfunden, Siedlungsresten und Felszeichnungen schätzt man, dass hier bereits seit etwa 2 Millionen Jahren eine Wiege der Menschheit ist.«
www.afrika-urlaub.net/historie%20u%20geschichte%20SA%20deutsch.htm

  • Das Zitat lesen und interpretieren. Was bedeutet es längerfristig für ein Volk, wenn es eine Jahrtausende alte Tradition hat und ihr Land sogar als eine mögliche Wiege der Menschheit eingestuft wird?
  • Anhand der LINKS und Medienhinweise eine kleine Recherche zur Kolonialgeschichte Namibias anstellen; dabei auch der Frage nachgehen, wie die sogenannten Eingeborenen von den Kolonialherren behandelt wurden.
  • Die Geschichte, das zeigt das Beispiel der Buschleute einmal mehr sehr deutlich, wiederholt sich. Weitere Beispiele von kolonialer Herrschaft und Ausbeutung suchen (Aborigines in Australien, die Indianer in Nordamerika, die Kaiapo-Indianer im brasilianischen Regenwald, die Inuit in Grönland oder die Penan in Borneo).
  • Nachdem sich in jüngster Zeit die USA und Australien bei den indigenen Völkern für das erlittene Unrecht offiziell entschuldigt haben, ist nun auch Kanada dem Beispiel gefolgt. Überlegen, was eine solche Entschuldigung, verbunden mit einer finanziellen und / oder materiellen Entschädigung den Betroffenen nützt. Genügt dieser Schritt, braucht es mittel- und langfristig weiterer Maßnahmen und wenn ja, welcher?

Traditionelles Heilen, Alternativmedizin und Fragen der Spiritualität
FILM.KAP. 2 / 10 / 12
HINTERGRUND

  • Die Buschleute gehen von einem Grundvertrauen in die Erde und ihrer Heilkräfte aus. Die Heilung eines Kranken im Film-Kap. 2 einschätzen.
    Wie stellen wir uns zu dieser Heilmethode?
    Was ist positiv daran, wo haben wir Zweifel?
  • In Filmszene 10 wird die Gemeinschaft durch Musik und Tänze in Trance versetzt, um so eines ihrer Mitglieder zu heilen.
  • Was halten wir aus westlicher Sicht von solchen Methoden?
  • Unser eigenes Vertrauen in Naturheilkräfte überdenken und anhand konkreter Beispiele diskutieren.
  • Stärken und Schwächen von Naturheilmittel auflisten und kritisch hinterfragen.
  • Wo sehen wir einen Einsatz in unserem Gesundheitswesen?
  • Zwei wichtige Voraussetzungen für die Heiler bei den Buschleuten sind »sich Zeit nehmen« und »auf Pflanzen vertrauen«.
  • Wie steht es damit in unserer Gesellschaft?

Kulturelle Rückbesinnung als Reaktion auf den erzwungenen Kulturwandel
FILM.KAP. 2 / 5 / 7 / 9

  • Zusammenfassen, was Rückbesinnung auf die kulturellen Werte der Vorfahren für die Buschleute bedeutet (zum Beispiel Leben im Einklang mit der Natur, Herumwandern ohne Grenzen, Bewahren der wertvollen Heilpflanzen, Pflegen der überlieferten Geschichten, Bräuche und Tänze …).
  • Als Gegenstück dazu die gegenwärtige Situation vieler Buschleute in Südafrika und Namibia schildern (zum Beispiel Leben in Armut, slumartige Siedlungen, Elendsalkoholismus, Einnahmen durch Verkauf von Handwerkskunst an Touristen …).
  • Die Buschleute sind minimal an den Lizenzen für die Heilpflanzen beteiligt und verdienen, wenn auch anteilsmäßig sehr geringe Beträge, so doch für Ihre Verhältnisse relativ viel Geld. Überlegen, wie diese Geldeinnahmen sich auf das Zusammenleben der Buschleute auswirken.
  • Nachdenken, ob die Buschleute ihren alten Lebensstil unter den gegebenen Umständen (Einengung ihres Territoriums, Besuche durch Touristen aus aller Welt, Geld, Alkohol etc.) überhaupt noch pflegen können.
  • Einen kleinen Vergleich mit sogenannten »Aussteigern« in unserer Gesellschaft, die in abgelegen Bergtälern verlassene Dörfer wieder beleben und einen ganz andern und einfacheren Lebensstil pflegen, als die Menschen in den Städten, anstellen.

Von der Hoodia-Pflanze zur Hoodia-Pille – Zwei Welten
FILM.KAP. 8 / 11
LINKS (siehe Quellenhinweise)
HINTERGRUND

  • Gründe zusammentragen, weshalb Menschen in den Wohlstandsgesellschaften zu Diätpillen greifen (unter anderem mit Hoodia-Extrakt drin), und gleichzeitig Buschleute eines indigenen Volkes in der Kalahari-Wüste denselben Wirkstoff zum Unterdrücken von Hungergefühlen konsumieren (Übergewicht und Sattheit hier, Mangelernährung und Hunger dort).
  • Die Unterschiede in der Verwendung und dem Konsumieren der Hoodia-Pflanze hier und dort festhalten (Jahrzehnte langes Wachsen in der Wüste versus rasches Ziehen im Labor und maschinelle Massenverarbeitung in Fertigungsstrassen oder Rohprodukt versus Kunstprodukt).
  • Den Satz »Der Rohstoff Hoodia bestimmt das Schicksal eines Volkes« kommentieren. Inwiefern trifft der Satz zu oder auch nicht?
  • Werbeslogans zu Diätprodukten in unseren Presseerzeugnissen suchen und diskutieren (Inhalt, Aufmachung, Wirkung, Verbreitung …), oder Angebot an solchen Produkten in einer Drogerie in der Nähe oder in einem großen Warenhaus untersuchen.
  • Anhand der unterschiedlichen Verwendung von Hoodia die zwei Welten (hier und dort) kurz charakterisieren. Welche Eigenschaften sind für uns wichtig?

Politische Dimension
FILM.KAP. 3 / 6
LINKS (siehe Quellenhinweise)

  • Einen kurzen Rückblick in die Geschichte Südafrikas (Apartheid) und Namibias (Deutsche Kolonie) werfen, um die aktuellen Geschehnisse besser zu begreifen.
  • Überlegen, wie Minderheiten wie zum Beispiel die Buschleute besser geschützt werden könnten. Was wäre dazu nötig? Ist der politische Wille überhaupt vorhanden? Wie weit können oder dürfen sich die internationale Staatengemeinschaft oder NGOs (Nicht-staatliche Organisationen) hier einmischen? Welche Rolle spielen die beteiligten Großkonzerne dabei?
  • Eine Recherche zu Landrechten und Menschenrechten anstellen: Welche Rechte haben indigene Minderheiten an dem von ihnen bewohnten / genutzten Land? Fallbeispiele z.B. aus Kanada oder Borneo/Malaysia anschauen.

Quellen
Literaturhinweise

  • Die Biopiraten – Milliardengeschäfte der Pharmaindustrie; Michael Frein, Hartmut Meyer; Ullstein Buchverlag Econ, 2008, 250 Seiten, ISBN- 978-3-430-30022-3
  • BUSHMAN ART. Zeitgenössische Kunst aus dem südlichen Afrika; m. Beitr. v. Krempel / Skotnes / Sagner / le Roux; Hrsg.: 2003 ARNOLDSCHE Art Publishers, Stuttgart 2003, 152 Seiten, 170 Abbildungen in Farbe, Text in Deutsch und Englisch, ISBN-3 89790-176-5
  • Mond als Schuh. Zeichnungen der San; Miklós Szalay (Hrsg), Verlag Scheidegger & Spiess; Zürich 2002, 312 Seiten, 275 farbige und 70 s/w Abbildungen, ISBN-978-3-85881-138-7
  • Tscha Tscha der erste Mensch. Mythen und Erzählungen der Buschmänne; Jan van der Post; Thienemann Verlag, 160 Seiten, ISBN-13-978-3522119702
  • Die verlorene Welt der Kalahari. Reisebericht, Laurens van der Post; Diogenes Verlag, 5. Aufl. 2006, 339 Seiten, ISBN-13 978-3257228045
  • Buschmänner. Eine Reise zur Urbevölkerung Namibias; Oliver Mayerle von Creavis; Creavis Verlag Dezember 2001, 144 Seiten, ISBN-13 978-3933117212
  • Die Wüstenapotheke. Doktor Kuvare und die Geheimnisse der Buschmänner; Daniel Oliver Bachmann; Verlag Droemer/Knaur 2007, 248 Seiten, ISBN-13: 978-3426274163

Hinweise auf Filme (auch zu ähnlichen Themen)
The Gods Must Be Crazy
Ein Film von Jamie Uys, Botswana 1980
104 Min., Spielfilm

The Gods Must Be Crazy II
Ein Film von Jamie Uys, Botswana, USA 1989
94 Min., Spielfilm

Die Multiknolle – Karriere einer Ackerfrucht
Ein Film von Joerg Altekruse, Deutschland 1988
45 Min., Dokumentarfilm (Verleih bei EZEF)

Süßhunger – Globalisierung in der Zuckerdose
Ein Film von Christoph Corves, Deutschland 2002
45 Min., Dokumentarfilm (Bezug DVD: EZEF)

LINKS (Internetadressen)
www.brot-fuer-die-welt.de
www.der.org/films/filmmakers/rehad-desai.html – zum Filmemacher Rehad Desai
www.der.org/films/bushmans-secret.html – Trailer zum Film
www.unilever.de – Firmenseite Deutschland
www.unilever.ch – Firmenseite Schweiz
www.unilever.com – Firmenseite International
www.csir.co.za – Südafrikanischer Forschungsbeirat für Wissenschaft und Industrie
www.biologische-diversitaet.de – Hintergrundinformationen zur Biodiversität
www.forumue.de – Forum Umwelt und Entwicklung; hier gibt es Hinweise auf Publikationen und Positionspapieren zu verschiedenen Umweltthemen.
www.cbdalliance.org – Netzwerk von Nichtregierungsorganisationen, Sozialen Bewegungen und Organisationen indigener Völker, zu Fragen der Konvention über Biologische Vielfalt
www.heise.de/tp/r4/artikel/6/6578/1.html – Europäisches Patentamt
www.medicusmundi.ch/mms/services/med/med200301.html – Biopiraterie
www.fairunterwegs.ch – Fairer Tourismus mit Länderinformationen und Tourismushinweisen für faires Reisen

Adressen

Autor: Peter Meier-Appoloni
Redaktion: Bernd Wolpert, Dorothee Lanz
Gestaltung: Uli Gleis