Arbeitshilfe

Der blinde Passagier

(Le clandestin)

Ein Film von José Laplaine
Zaire 1996, 15 Min.. Kurzspielfilm, OmU, sw

Kurzinhalt

Als Blinder Passagier möchte ein junger Afrikaner zu seinem Cousin nach Europa reisen. Kurz vor ihrer Ankunft in Portugal stirbt in seinen Armen ein mit ihm reisender Angolaner, der politisches Asyl suchte.
Und kaum ist er in Lissabons Hafen aus dem Container gesprungen, wird er von einem Polizisten verfolgt. Was den Flüchtenden sichtlich irritiert: der Polizist ist wie er ein Schwarzer. Doch im Unterschied zu ihm ist er wohlgenährt. Dies soll sich für ihn jedoch als Vorteil erweisen: er ist einfach schneller.

Der Schwarzweiß-Film - mit Roll- und Zwischentiteln wie ein Stummfilm, aber einer Tonspur, die der Situationskomik noch eine zusätzliche ironische Note verleiht - spielt gekonnt mit den Stilelementen der Slapstick-Komödie, und balanciert erfolgreich auf dem schmalen Grat zwischen dem der Thematik angemessenen Ernst und einer befreienden Komik.
Wenn der Blinde Passagier sich nach ermüdender Verfolgungsjagd selbst stellt und abgeschoben werden wird, so ist dennoch nichts mehr wie vorher. Es ist sein Entschluß, sich festnehmen zu lassen, und - so erfahren wir aus den Schlußtiteln - er will nun zuhause sein Glück versuchen.

Ausführliche Inhaltsangabe

Ein Containerschiff läuft in Lissabons Hafen ein; vorbei am Torre de Belém, dem Ausgangspunkt der portugiesischen Seefahrer, die vor 500 Jahren ausgelaufen waren, Afrikas Küsten zu erobern. An Bord des Schiffes ist ein Blinder Passagier, in dessen Armen sein aus Angola kommender Schicksalsgefährte gestorben war.
Das Schiff wird an der Kaimauer festgemacht, die Container schweben an einem riesigen Lastkran an Land. Endlich hat der Flüchtling den ersehnten europäischen Boden unter den Füßen. Doch schon wird er von einem schwarzen Polizisten verfolgt... Er sucht in einem offenen Container Zuflucht. Doch dort haben sich schon andere versteckt, die durch ihn aufgeschreckt genauso panisch aus dem Container stürmen und davonlaufen wie er. Und wieder ist der knüppelschwingende Polizist hinter ihm her. An einer Straße kommt er gerade noch zum Stehen, ehe in kurzem Abstand zwei Autos mit hoher Geschwindigkeit an ihm vorbeibrausen. Erschreckt und etwas verstört, läuft er die Straße entlang, überquert eine Brücke, von der er auf eine Bahnanlage mit unzähligen Rangiergleisen blickt. Es ist ihm gelungen, seinen Verfolger abzuschütteln und sich damit etwas Luft zu verschaffen.

Langsamer geworden, kann er sich der neuen Umgebung nun etwas neugieriger zuwenden. Er trifft auf eine Gruppe von Bauarbeitern, die am Rande der Straße sitzen und gerade eine Essenspause eingelegt haben. Auch sie sind schwarz. Sie registrieren seinen Blick, reagieren aber eher unbeteiligt; einer von ihnen murmelt etwas - vielleicht ist es ein Gruß. Dann passiert er eine Schlange von Wartenden an einer Bushaltestelle - er nickt ihnen freundlich zu, doch sein Gruß bleibt unerwidert. Fasziniert von der Aussicht über das Panorama der Stadt, hat er unvermittelt wieder die Trillerpfeife seines Verfolgers im Ohr, und sein Blick trifft von der Brücke herab den seines Verfolgers. Dieser gibt ihm wild gestikulierend zu erkennen, daß er herunterkommen und sich stellen soll. - Und so gilt es schon wieder davonzulaufen.

Als er den Polizisten wiederum abgeschüttelt hat und sich kurz an eine Mauer anlehnt, um sich zu verschnaufen, sieht er zwei Männer, die an einem Hydranten stehen und sich unterhalten. Auch sie sind schwarz. Er tritt zu ihnen hin und versucht, ihnen mit Zeichensprache deutlich zu machen, daß er verfolgt wird und sie um Hilfe bittet. Die beiden scheinen ihn auch zu verstehen. Schon zieht er einige Geldscheine aus seinen Socken, um sie  zu bezahlen, da ertönt erneut ein gellender Pfiff aus der Trillerpfeife. Mit einem schnellen Blick verständigen sich die beiden Männer, einer entreißt dem Flüchtling sein Geld und schon stürmen sie davon. Dieser bekommt gerade noch einen von ihnen an der Jacke zu fassen, doch dieser wirft die Arme nach hinten und so bleibt dem verfolgten Verfolger nur die Jacke und wieder die Flucht. Während die zwei Gauner gerade noch die davonfahrende Straßenbahn erreichen und aufspringen, heißt es für unseren Helden erneut auf die eigenen Füße zu vertrauen.

Wieder gelingt es ihm, seinen Verfolger abzuschütteln. Nun kommt ihm sein Hunger zu Bewußtsein, aber er hat kein Geld mehr, um sich etwas zu Essen zu kaufen. Auch in der erbeuteten Jacke findet er nichts außer einigen Zigaretten, die er hastig aufraucht, um sein Hungergefühl zu betäuben. Er läuft zu einer in der Nähe liegenden Markthalle und blickt hungrig auf die Auslagen an den Markständen. Seine Hand gleitet an einer der Kisten entlang. Gerade noch ist sie in Großaufnahme zu sehen, dann ein sausendes Geräusch - Schnitt - ein großes Messer dringt krachend in das splitternde Holz des Kistenrandes - Schnitt - das entsetzte Gesicht des jungen Mannes - Schnitt - selbstzufrieden nickt eine ältere Marktfrau, wie um sich selbst zu bestätigen, daß sie gerade einen gefährlichen Diebstahl abgewehrt hat. Leicht verstört läuft unser Held weiter, als ihm - nicht weniger überraschend - eine andere Marktfrau eine Tomate entgegenstreckt, die er dankbar entgegennimmt und hastig verschlingt. Entweder hatte sie den Vorfall beobachtet oder ihm einfach seinen Hunger angesehen.

Doch schon bald ist er wieder auf der Flucht. Aus einer Hofeinfahrt, die er als nächsten Zu-fluchtsort ansteuert, schlägt ihm lautes Hundegebell entgegen, was ihn schnell umkehren läßt.

Plötzlich nimmt die Verfolgungsjagd ein jähes Ende. Er wird über die Kühlerhaube eines Autos geschleudert und bleibt regungslos auf dem Kopfsteinpflaster liegen. Der hinzueilende Polizist beugt sich kurz über den Verletzten, um sich dann mit grimmigem Blick dem Autofahrer zuzuwenden. Den halb ausgestiegenen Autofahrer klemmt er mit der Autotüre ein, indem er ihm diese fest gegen den Oberkörper drückt. Als er ihn wütend mit seinem Gummiknüppel trakiert, macht ihn sein Opfer mit Augenrollen und heftigen Kopfbewegungen auf das Geschehen hinter ihm aufmerksam. Der Verletzte hat sich berappelt und sich - das Geschehen dabei beobachtend - langsam erhoben. Gerade hängt er sich seine Tasche um und macht sich erneut aus dem Staub.

Während der nun erneut einsetzenden Verfolgungsjagd ziehen dem Flüchtenden die Ereignisse seines erst wenige Stunden währenden Aufenthaltes in Europa wie im Zeitraffer durch den Kopf. In die Filmbilder, die in einer Parallelmontage entweder die Beine des Fliehenden oder die seines Verfolgers in Großaufnahme zeigen, werden diese Erinnerungs-bilder wie kurze Blitze eingeschnitten: Der mit aller Kraft in seine Trillerpfeife blasende Polizist, als er gerade aus dem Container gesprungen ist - die Flucht durch die schmalen Gassen zwischen den Containern - die beiden Gauner, an die er sein Geld verliert - der Polizist, der die ihm entrissene Jacke auf den Boden schleudert - der Unfall - sein Blick über die Stadt mit dem Hafen - sein erster Blick aus dem geöffneten Container.

Und wieder gelingt es ihm, dem Polizisten zu entkommen. Dieser läßt sich nun erschöpft auf den Stufen einer großen Freitreppe nieder, um sich auszuruhen. Der Flüchtende kann deshalb etwas zur Ruhe kommen und sich umsehen, wohin es ihn nun verschlagen hat. Was er dabei sieht, ist wenig geeignet, seine Stimmung zu heben: ein Slum am Rande einer Hochhaussiedlung gelegen. Eine alte Frau kommt ihm entgegen - auch sie ist schwarz. Sie blickt ihm mit offenen aber traurigen Augen ins Gesicht. Er entgegnet ihren Blick. Vom Alter her könnte es seine Mutter sein. In der nächsten Einstellung sehen wir ihn die Treppe hinunterschreiten, auf der sich der Polizist niedergelassen hat. Er setzt sich etwas oberhalb auf die Stufen. Die beiden blicken sich durch das geschmiedete Treppengeländer an. Es folgt ein - gesprochener - Mini-Dialog, der einzige des ganzen Filmes. Auf den Kommentar des Polizisten - „Brother, no good!“ - entgegnet der Flüchtling: „Africa, no future!“.
Dann erheben sich die beiden. Der Polizist gibt dem Flüchtling die Jacke zurück, die er ihm entrissen hatte. Gemeinsam gehen sie nun die Treppe hinunter und unterhalten sich freundlich gestikulierend. Die letzte Einstellung zeigt eine Totale: zunächst sehen wir die beiden von hinten ins Bild kommen. Plaudernd und gestikulierend entfernen sie sich dann, langsam die Gleise entlanglaufend. In Stummfilm-Manier schließt sich währenddessen eine Lochblende, in deren Zentrum wir bis zuletzt die beiden sich aus dem Bild entfernenden Figuren sehen. Darüber setzen die ausleitenden Rolltitel ein.

Kritik

José Laplaine, der aus Zaire (jetzt Kongo) stammende und zur Zeit in Paris lebende Schauspieler und Regisseur, hat mit Der Blinde Passagier (Le Clandestin) einen kleinen, aber überaus bemerkenswerten Film vorgelegt. Bemerkenswert deshalb, weil er für sein ebenso ernstes wie schwieriges Thema eine ästhetisch überzeugende Form findet, die, gerade weil sie komische Stil-Elemente nicht scheut, in ihrem Humor eine tiefe Humanität aufscheinen läßt. Und so lädt die gewählte künstlerische Form geradezu dazu ein, die mit dem Film angerissenen Themen und Problemstellungen in einem neuen Licht zu betrachten. Denn in der öffentlichen Diskussion sind bei uns in Deutschland, wie auch im übrigen Europa, die Themenfelder Migration, Einwanderung, Flucht und Asyl nicht nur eng miteinander verflochten - auch und gerade dort, wo erst einmal Differenzierung gefordert wäre - sondern sie polarisieren in der Regel überdies sofort jeden politischen oder öffentlichen Diskurs. Als Beleg für diese Behauptung seien einige der Schlagworte aus dieser Debatte genannt, die sogleich erkennen lassen auf welcher Seite derjenige steht, der sie verwendet: Asylantenflut, Flücht-lingswelle, Scheinasylanten, Wirtschaftsflüchtlinge oder auch umgekehrt Festung Europa. Der Hinweis, daß eine kontroverse Diskussion, freilich unter anderen Vorzeichen - nicht einfach unter umgekehrten - auch unter Afrikanern geführt wird, ist deshalb wichtig, weil sich José Laplaine auch hier auf ‘gefährlichem Terrrain’ bewegt. (Zu diesem Komplex finden sich einige aufschlußreiche Äußerungen von ihm in dem unten abgedruckten Interview).

Bemerkenswert ist der Film auch deshalb, weil er von einem afrikanischen Regisseur stammt, der einer jüngeren Generation angehört, die auch andere Themen aufgreift als dies die älteren Filmemacher vor ihnen getan haben. Daß er dabei das Risiko nicht scheut, auch heiße Eisen anzufassen, spricht für ihn. Und so spielt dieser Film zwar ausschließlich in Europa, greift aber doch ein auch für das Selbstverständnis vieler Afrikaner wichtiges Problemfeld auf. Denn die Frage nach dem Ob und den Umständen einer Rückkehr von Migranten nach Afrika ist ein überaus komplexes und schwieriges Thema (wozu die in den Literaturhinweisen genannten Bücher der beiden Schriftstellerinnen Amma Darko und Axelle Kabou gutes Material bieten).
Der so als anders und neu skizzierte Umgang mit diesen Themen ist u.a. an einer mit leichter Hand und kunstvoll eingesetzten Ironie ablesbar, die eine Erkenntnis fördernde Distanz, aber keine inhaltliche Distanzierung schafft. Diese ist nicht zuletzt daran erkennbar, daß José Laplaine selbst den Polizisten spielt, dessen gewisse Körperfülle explizit als Erklärung für sein Scheitern als Verfolger herangzogen wird. Dessen leichte Unbeholfenheit wird zwar durch seine erkennbare Gutmütigkeit ergänzt, aber dennoch zeigt Laplaine hier in der Selbst-ironisierung eine Souveränität, die nicht einfach die Stummfilmklassiker zitiert oder, schlimmer noch, einfach wiederholt. Denn wie in den Filmen Charly Chaplins oder Buster Keatons sind es die von der Ordnungsmacht verfolgten Tramps und Underdogs, denen die ganze Sympathie der Zuschauer gilt. Aber anders als dort wird der Regisseur als Schauspieler hier mit der ‘anderen Seite’, der ungeliebten Ordnungsmacht, identifiziert.

In einem solch mehrdeutigen Sinne werden auch andere Stilelemente des Stummfilms eingesetzt - und ironisiert oder zumindest ironisch gebrochen. Dies ist ein überaus kreativer und souveräner Umgang mit den filmsprachlichen Mitteln, was bei der Arbeit mit diesem Film durchaus auch als Zugang zum Thema genutzt werden kann.

Im folgenden soll versucht werden, dies an einzelnen Stilelementen kurz zu skizzieren:

Die Verwendung der Sprache: Scheinbar konsequent werden alle Zusatzinformationen, der der Zuschauer bedarf, über die Rolltitel zu Beginn und Ende des Filmes, bzw. über die eingeschnittenen Zwischentitel geliefert. Daß letztere gekonnt plaziert und prägnant, teils auch ironisch formuliert werden, entspricht ganz den historischen Vorbildern. Der wenn auch sehr knappe Dialog gegen Ende des Filmes muß deshalb als ein bewußt eingesetzter Stilbruch verstanden werden. Und gerade weil er als solcher so deutlich exponiert wird, kommt ihm auch ein besonderes Gewicht zu. Einer immanent auf den Inhalt und die verwendeten künstlerischen Mitteln reflektierenden Argumentation, muß damit sowohl der Gebrauch wie der Bruch mit den Genre-Gesetzen als konsequent erscheinen: Die geschriebenen Titel (Inserts oder Rolltitel) vermitteln die subjektive Sicht des Flüchtlings. Es ist dies zum einen die Ebene des Briefes, der an den in Europa lebenden Cousin gerichtet ist und der den Film nicht nur erklärend einleitet und mit einem Resumee beschließt (Roll-Titel), sondern auf dessen Sprachebene des Rückblicks - vom guten Ende her betrachtet - auch aus dem laufenden Geschehen heraus immer wieder gewechselt wird („Ich glaubte, nie fortgegangen zu sein. Selbst der Polizist war schwarz! Zum Glück war es ein wohlgenährter Schwarzer. Er lief nicht so schnell.“). Im Gegensatz zu diesem Selbstgespräch oder inneren Monolog ist das kurze Zwiegespräch ein wirklicher Dialog, d.h. ein Gespräch zwischen zwei Menschen; - darüber-hinaus repräsentieren die beiden Personen freilich auch noch zwei Systeme.
Die Mehr- und Vieldeutigkeit dieser zwei ebenso kurzen wie kryptischen Sätze kann man - eben deshalb - als nachgerade genial bezeichnen. Dies bedarf jedoch einer kurzen Erklärung: Aus dem „Brother, no good!“ (wörtlich: „Bruder, nicht gut!) läßt sich doch unschwer entnehmen, daß der schwarze Polizist in dem schwarzen Flüchtling einen Bruder sieht, er dessen Verhalten aber gleichwohl nicht gutheißen kann (oder darf). Er gibt sich damit auf der persönlichen Ebene als Bruder zu erkennen. Als Polizist, d.h. als Amtsperson und Repräsentant Portugals, darf er dieses illegale Verhalten aber nicht hinnehmen, sondern muß es ahnden und befindet sich daher in einem schwierigen Loyalitätskonflikt.

Umgekehrt läßt sich aus dem zweiten Satz, der Antwort des Flüchtlings, „Africa, no future!“ (wörtlich: „Afrika, keine Zukunft!) sowohl das Motiv des Flüchtlings für seine Reise, wie auch seine Einschätzung über die Situation und Zukunftsperspektive in seiner Heimat ablesen.
Für das Ende des Filmes und seine Interpretation ist dieser Kurzdialog deshalb von zentraler Bedeutung. Denn obwohl er abgeschoben wird, bedauert der Flüchtling keineswegs, daß er aufgebrochen ist zu dieser abenteuerlichen Reise. Denn zwischen der Motivation zum Auf-bruch - „Africa, no future“ - und der Bilanz am Ende des Filmes - „Ich bedaure nichts, außer meinen angolanischen Kumpel. Ich denke ich werde zunächst in meinem Land bleiben und es hier versuchen.“ - spannt sich der Lernprozeß unseres Helden, der zwar ernüchtert und enttäuscht, aber keineswegs gescheitert nach Hause zurückkehrt.
Die Verwendung der Musik bzw. von Geräuschen: Auch hier wird den Genre-Regeln des Stummfilms sowohl entsprochen wie gezielt gegen sie verstoßen. Entsprochen vor allen Dingen durch die illustrierenden wie emotional verstärkenden Elemente in der Verwendung von Geräuschen bzw. typischer Stummfilm-Klaviermusik - Herzschlagen, wo Angst herrscht; drängende Musik bei den Verfolgungen; eine ruhigere und eher meditative Musik als die Verfolgung beendet ist und der Flüchtling sich umschaut, bzw. nachdenkt. Aber die Regeln werden auch ironisch gebrochen, um die Situationskomik zu verstärken: Geräusche quitschender Autoreifen, bei der Flucht zu Fuß, zwischen den Containern. Oder die Ge-räusche sind mehrdeutig und geben dem Zuschauer Interpretationsspielraum, so z.B. das Hunde-Knurren an mehreren Stellen.

Auch die Verwendung weiterer technischer Stilmittel des Stummfilms lohnt der Aufmerksamkeit. So ist uns die sich langsam schließende Loch-Blende am Ende des Filmes aus Stummfilmen vertraut. Wir sehen den oder die Helden - mit denen wir gelacht und gelitten haben und die nun alle Schwierigkeiten überstanden haben - von hinten aus dem Bild laufen. Meist gehen sie in eine offene - und wenn auch nicht rosige, so doch hoffentlich bessere - Zukunft.

Ob eine solche Identifikation mit dem Flüchtling (als einem verfolgtem Opfer der Ordnungsmacht), analog der Rezeption von Stummfilmen, funktionieren wird, hängt sicherlich auch von der Vor-Einstellung der Zuschauer und damit der Zusammensetzung des Publikums ab. Diese Absicht des Regisseurs ist ganz offensichtlich, und sie ist klug umgesetzt. Ob sie als filmische Strategie auch aufgeht, hängt nicht zuletzt von den Zuschauern ab. Aber hier gibt sich der Regisseur ehrlicherweise auch keinerlei falschen Illusionen hin (vgl. auch hierzu das unten abgedruckte Interview)

Didaktische Hinweise

Der Film eignet sich wegen seiner Kürze und besonderen Erzählweise sehr gut für den Einsatz bei den unterschiedlichsten Gruppierungen. Er ist sowohl in der Schule wie im Konfirmandenunterricht oder in der Erwachsenenbildung einzusetzen, und er eignet sich auch gut als Anspiel- oder Impuls-Medium für die Themenbereiche Migration, Flucht und Asyl, Rassismus, Solidarität.
Sicherlich liegt an erster Stelle ein thematischer Zugang nahe. Weil der Film - trotz allem - ein ‘gutes Ende’ nimmt, kann er auch gut dazu genutzt werden, bei einem Seminar oder einer Informations- oder Diskussionsveranstaltung über die Situation von illegalen Flüchtlingen in Deutschland, festgefahrene Positionen in Frage zu stellen oder sonst neue und zusätzliche Gesichtspunkte in die Debatte einzubringen.
Wo dem Film selbst ein größeres Gewicht gegeben werden kann, ist sowohl ein stärker analytisches oder auch ein eher praktisch und kreativ ausgerichtetes Arbeiten denkbar. Auch kann über einen solchen ‘Umweg’ der Einstieg in die Thematik erleichtert werden. Dies gilt sowohl für die außerschulische wie für die schulische Verwendung des Filmes, z.B. für den Kunst- und Musik-, genauso wie für den Religions- oder Deutschunterricht. Im Rahmen von Projekt-Unterricht oder Projekt-Tagen könnte z.B. zu dem stumm vorgeführten Film eine selbst eingespielte Live-Musik, ergänzt durch andere Geräusche (stärkere Verfremdung; naturalistischer), vorgeführt werden und ggf. im Anschluß daran die Orginalversion des Filmes.
Wichtig ist es deshalb, sich vorab genau zu überlegen, was mit dem Einsatz des Filmes bezweckt werden, und wo deshalb der Schwerpunkt gesetzt werden soll: ist eher eine vertiefende inhaltliche Auseinandersetzung beabsichtigt, oder soll der Film als Impuls-Medium oder zur Ein- oder Hinführung zu den genannten Themenfeldern dienen.

Vorschläge für Einsatz und Nacharbeit zum Film

  • Film zweimal vorführen. Bei der zweiten Vorführung Arbeitsaufträge an Kleingruppen (vgl. die u.g. Auswertungsfragen)
  • Film vor dem Ende unterbrechen - vor dem Einsetzen der ausleitenden Rolltitel - und die Teilnehmer spielen/improvisieren lassen, worüber sich die beiden jetzt wohl unterhalten. Oder darüber diskutieren, bzw. Vermutungen anstellen lassen, was der Polizist mit dem Flüchtling macht (Läßt er ihn laufen? Läßt er ihn abschieben? Warum legt er ihm keine Handschellen an etc.?)

Sichtung des Endes und Vergleich der verschiedenen Versionen:

  • (Fingiertes) Interview mit dem Blinden Passagier in der Abschiebehaft: Was hat er sich von Europa erhofft? Wie sieht er der Abschiebung entgegen? Was will er nun anfangen?
  • Teilnehmer erarbeiten einen Live-Radiobericht über die Verfolgung eines Illegalen im Hafen. Eine Gruppe stellt einer anderen, die den Film nicht kennt, erst ihren Radio- oder Zeitungsbericht vor, und danach wird gemeinsam der Film angesehen, um darüber zu diskutieren. (Die Berichte könnten z.B. auch ergänzt werden durch eine fiktive Lebensgeschichte des geflohenen Angolaners, der bei der Überfahrt stirbt; Fallbeispiele bei amnesty international oder ander Organisationen recherchieren.)
  • Improvisiertes Spiel: der zurückgekehrte Flüchtlings berichtet seinen Freunden/seiner Familie von seinem Abenteuer in Europa.
  • Podiumsdiskussion zwischen Filmkritiker, Vertreter von Flüchtlings- oder Menschenrechts-organisation und Politiker improvisieren - Ist der Film ein Plädoyer für Rückkehr und/oder Abschiebung aller illegalen Einwanderer? Liefert der Film ‘Rezepte’?
  • Besuch bei lokalen Stellen, die mit Flüchtlingen und/oder Asylbewerbern arbeiten (Asyl-Zentren etc.). Vertreter von Flüchtlings- oder Menschenrechtsorganisation einladen (s. Adressenhinweise)

Fragen bzw. Themen für das Filmgespräch:

  • Was ist geschehen? Wo setzt der Filmemacher den Hauptakzent?
  • Warum gibt der Flüchtling auf? Wann faßt er diesen Entschluß?
  • Worin gleichen, wo unterscheiden sich Flüchtling und Polizist?
  • Was hätten Sie/ hättest Du an Stelle des Polizisten getan?
  • Wie sieht der Flüchtling Europa? Wie hat er es sich vor seiner Reise wohl ausgemalt?
  • Spielt die Hautfarbe der verschiedenen Protagonisten eine Rolle? Wenn ja, Warum?
  • Hätte ein europäischer Filmemacher den gleichen Film machen können? (vgl. hierzu d. Interview)
  • Was geht im Kopf des Flüchtlings vor als er der alten Frau begegnet?

Ein sehr lohnendes, aber zeitaufwendiges Projekt (z.B. in einem Grund- oder Leistungskurs Deutsch oder im Rahmen von Projektunterricht denkbar) wäre eine vergleichende Medienanalyse, die sich ausführlich mit Der Blinde Passagier (Le Clandestin) und dem Fernsehspiel Der Marsch befaßt. Der Marsch endet im Unterschied zu Laplaines Kurzfilm sehr bitter. Wenn der Blinde Passagier sich nach ermüdender Verfolgungsjagd selbst stellt und abgeschoben werden wird, so ist dennoch nichts mehr wie vorher. Es ist sein Entschluß, sich festnehmen zu lassen!

Leitfragen für eine solche vergleichende Medienanalyse könnten sein:

  • Wie werden Fluchtursachen, Verhaltensweisen von Afrikanern bzw. Europäern jeweils dargestellt und warum so und nicht anders?
  • Welches Bild von Europa wird in beiden Filmen entworfen?
  • Wie arbeiten die Regisseure jeweils mit Angstvorstellungen und/oder dem Gefühl der Empathie? Zu welchem Zweck?
  • Welche Rolle spielen dabei kulturell bzw. politisch bedingte Projektionen?
  • Wie wichtig ist die Perspektive der Filmemacher? Ist diese auch kulturell bedingt? (Blick aus dem Innern der Festung Europa - Blick von Außen auf Europa)

Über den Regisseur José Laplaine

1960 in Zaire geboren und aufgewachsen. Studium der Wirtschaftswissenschaften and er amerikanischen Universität in Rom, Italien. Danach Schauspielstudium in Brüssel, Paris und am Actor’s Studio in New York. Danach spielt er mehrere Rollen in Fernseh- und Kinofilmen, schreibt Drehbücher und arbeitet als Regieassistent.
Den Kurzfilm Le Clandestin konnte er im gleichen Jahr fertigstellen, wie seinen ersten langen Spielfilm; Macadam Tribu, eine malisch-französische Koproduktion, die zusammen mit Schauspielern aus den verschiedensten Ländern des afrikanischen Kontinents realisiert wurde. Dieser Film wurde bei den Französischen Filmtagen in Tübingen 1996 mit dem Prix de la Jeunesse ausgezeichnet.

Interview mit José Laplaine zu Der blinde Passagier

F: Ich möchte mit einem geschichtlichen Rückblick anfangen. Zu Beginn des Filmes sieht man die Hafeneinfahrt Lissabons, die an ihrem Wahrzeichen zu erkennen ist: dem Torre de Belém. Ein sehr symbolischer Ort, der an den Beginn der portugiesischen Eroberungen und damit auch an die Kolonialisierung Afrikas erinnert. Ist es so gemeint, oder ist dies Zufall?

A: Das ergab sich zufällig so (lacht) - tut mir leid. Durch Zufall ergaben sich zwei Dinge. Die Einstellung mit dem Torre de Belém. Aber dazu muß man sagen, daß es in Portugal nahezu unmöglich ist etwas zu drehen - zumindest wenn es mit Einwanderung zu tun hat, oder mit Dingen die im Untergrund geschehen oder die mit dem Hafen zu tun haben - ohne dabei auf Spuren jener Zeit  zu stoßen, als sich die Portugiesen daran gemacht haben, die Welt zu erobern. Und diese Eroberung geschah mittels der Sklaverei - hauptsächlich. Zum anderen war da dieses Schiff, das gerade in den Hafen einläuft. Es trug den Namen eines portugiesischen Eroberers. Und auch dies hat sich zufällig so ergeben. Wir wußten nur, daß an diesem Tag ein Schiff einlaufen sollte. Deshalb warteten wir, weil wir an jenem Tag nur diese eine Chance hatten, ein einlaufendes Schiff zu drehen. Den Namen von Francisco Franco entdeckten wir deshalb erst als wir das entwickelte Material sichteten.

F: Wenn hier bei uns in Europa über Migration und Einwanderung diskutiert wird, so ist die öffentliche Diskussion sehr stark von moralischen Argumenten geprägt. In diesem Kontext scheint mir Dein Film nicht political correctness anzustreben, sondern eher andere Ziele zu verfolgen. Direkter gefragt: War es Deine Absicht, mit Le Clandestin zu provozieren?

A: Ich denke, wenn wir über ein Thema wie dieses diskutieren - über Einwanderung oder Sklaverei oder Dinge die sich in der Illegalität vollziehen - so ist dies ein Thema, das immer stört; besonders wenn man darüber in einer weißen Gesellschaft spricht. Aber dies ist noch kein Grund für mich, diese Dinge zu aggressiv zu akzentuieren oder - um Deine Frage mit der Provokation aufzunehmen - zu sehr zu provozieren. Aber alleine die Tatsache, auch nur darüber zu sprechen, ist doch schon fast eine Provokation. Weil es die Leute stört. Es fällt den Leuten schwer, sich ihrer Vergangenheit zu stellen - Ich rede über Weiße wie über Schwarze, über jeden von uns. Über bestimmte Dinge zu sprechen, bestimmte Dinge zu akzeptieren, ist einfach schwer. Für mich war es deshalb wichtig, einen Weg zu finden, diese Thematik zur Sprache zu bringen, ohne zu sehr zu provozieren, aber auch ohne allzu ernsthaft zu sein - damit die Leute die Sache leichter an sich heranlassen. Deshalb benutzte ich diese Erzählform, diesen burlesken Erzähl-Stil. Ich denke es erleichtert die Sache, wenn die Leute die meiste Zeit den Eindruck haben, daß sie sich einfach einen burlesken Film anschauen. Aber somit weiß ich - oder hoffe es doch zumindest -, daß eine Botschaft ankommt, daß bei den Leuten zumindest die Thematik im Kopf ist.

F: Hast Du das Stilmittel der Slapstick-Komödie also deshalb gewählt, um ein sehr ernstes Thema leichter zugänglich zu machen?

A: Ja, einfacher zugänglich. Nach meinem Dafürhalten bringen uns diese burlesken Possen auch etwas zu Bewußtsein - wie bei Charly Chaplin, Buster Keaton oder anderen. Und ich denke, es ist für Leute die in einer weißen Gesellschaft leben dadurch einfach leichter, sich mit diesen Bildern zu identifizieren. Vielleicht ist es schwierig für sie, sich mit dem schwarzen Polizisten oder diesem schwarzen illegalen Flüchtling (clandestin) zu identifizieren - aber sie können sich damit identifizieren, so wie die Geschichte erzählt wird. Und vielleicht trägt diese Brücke, und es kommt doch eine Botschaft an, und die Zuschauer sind doch besorgt um diesen armen Kerl, der gerade aus Afrika angekommen ist.

F: Was war die ursprüngliche Idee zu diesem Film? Eine Geschichte, von der Du gehört hast oder...

A: Die ursprüngliche Idee ging von einer Thematik aus, mit der ich mich für einen Spielfilm auseinandersetzte. Ein Massaker an Blinden Passagieren, das sich vor einigen Jahren auf dem Schiff Ocean Queen ereignet hat. In den Vermischten Nachrichten war davon zu lesen. Ich glaube acht Leute waren umgebracht worden und nur einer überlebte. Und er hat die Geschichte erzählt. Bei unseren daran anschließenden Recherchen stießen wir auf viele ähnliche Ereignisse, über die nie gesprochen worden war. Und plötzlich, als Journalisten Wind davon bekommen hatten, wußten plötzlich alle davon, daß Seeleute Blinde Passagiere auf hoher See umbrachten, daß solche Dinge geschahen, daß Leute einfach verschwanden. Dies war der Ausgangspunkt für meine Story zu einem Spielfilm. So entdeckte ich vieles was ich den Zuschauern erzählen und zeigen möchte. Und der Kurzfilm, den ich über diesen Ankömmling, über diesen einen Mann gemacht habe, ist gewißermaßen eine Studie, eine Selbstbefragung, über die Würde eines Mannes, der wie dieser in Europa ankommt. Deshalb ging es mir auch vor allem darum, zu zeigen, daß er ein Mensch ist - noch bevor man ihn als einen Banditen oder einen Kriminellen ansieht. Er ist ein Mensch, der leidet und der versucht seine Situation zu verbessern. Deshalb geht er weg. Dies ist der wichtigste Gesichtspunkt, die ursprüngliche Idee. Aus diesem Grund möchte ich den Spielfilm machen, deshalb habe ich Le Clandestin realisiert. Und ich plane einen Dokumentarfilm, für den ich hauptsächlich untergetauchte Flüchtlinge interviewen möchte; solche die hier in Europa leben und solche die nach Afrika zurückgekehrt sind. Ich möchte versuchen zu begreifen, was sich in ihrem Leben verändert hat - sowohl bei jenen, die sich hier integrieren konnten wie bei jenen, die hier leben und leiden. Dies soll alles zur Sprache kommen, sie sollen von ihrem Leid erzählen können. Deshalb ist es im Grunde genommen eine einzige Idee, die wir hier verfolgen: für diesen Dokumentarfilm, für einen Spielfilm, und für Le clandestin, dem ersten Teil dieses Projektes.

F: Welche Reaktionen gab es bisher von seiten des Publikums? Gab es Unterschiede, je nachdem ob der Film in Europa oder in Afrika gezeigt wurde? Wie schon erwähnt, ist bei uns die öffentliche Diskussion um Einwanderung und Migration sehr stark moralisch besetzt. Viele Menschen haben - ganz zu Recht - ein schlechtes Gewissen, weil ihre Regierungen versuchen, alle Flüchtlinge bereits an den Grenzen abzuweisen. Dein Film formuliert aber nach meinem Verständnis ein - mit Blick auf Afrika - durchaus positives Ende: der Held kehrt in sein Heimatland zurück, und er schreibt von dort seinem Cousin, daß er zuhause einen neuen Anfang versuchen will.

A: Es war schwierig für mich, ihn nach Hause zu schicken. Denn ich lebe in Europa, und mir war klar, daß einige Leute denken würden - und manche tun es eben auch -: ein Afrikaner, der in Europa in Sicherheit lebt und uns erzählen will, daß wir nicht kommen sollten, daß es für uns besser sei, zuhause zu bleiben.
Es ist ein Risiko. Aber ich mußte die Gelegenheit wahrnehmen, dieses Risiko einzugehen. Denn diejenigen, die nichts verstehen wollen, verstehen auch nichts. Aber für jene, die verstehen wollen, wäre es hilfreich. Und es gibt viele Leute, die verstehen. Ich möchte nur soviel sagen: vielleicht ist es besser, zu bleiben und zuhause nach Auswegen zu suchen, anstatt seine Würde in einem fremden Land zu verlieren. Auch wenn du denkst, daß du dort ein besseres Auskommen findest. Ich weiß nicht, was wichtiger ist, das materielle Leben oder die persönliche Würde. Vielleicht gelingt es dir, deine materiellen Probleme zu lösen. Aber dabei solltest du nicht aufhören menschlich zu bleiben. Was bedeuten - in meinen Augen - die Erlebnisse dieses illegalen Flüchtlings während dieses einen Tages in Europa? - Als er ankommt ist es ein richtiger Mann. Aber am Ende dieses Tages hat er das Gefühl, daß er, wenn er bleibt, viel von dem verlieren wird, was seine Identität ausmacht. Deshalb entschließt er sich dazu, zurückzukehren.
Entsprechend fallen die Reaktionen auf den Film unterschiedlich aus. In Europa besteht für mich die Gefahr darin, daß der Film einigen Leuten gefallen wird, weil sie denken, ich wolle den Afrikanern sagen, sie sollten zuhause bleiben (lacht). Und sogar der Polizist, der ihn zurückschickt ist schwarz. Ich wollte es mir keineswegs einfach damit machen, was erreicht werden kann. Einige Leute..., die guten Leute verstehen die gute Botschaft, die schlechten, greifen sich das Negative heraus. Aber jene brauchen mich nicht, damit ich sie vielleicht ändern könnte (lacht).

F: Aber wenn ich es recht verstehe, provozierte Dein Film genau solche Diskussionen...

A: - oh ja, das tat er - sowohl hier in Europa, wie auch in Afrika. Eine für das Verständnis des Films wichtige Sache will ich nochmals betonen: er selbst trifft die Entscheidung, sich der Polizei zu stellen. Weil er nach Afrika zurückkehren möchte. Und der Polizist, der seinen Job macht, der Polizist, der ein Schwarzer ist, der in einer weißen Gesellschaft lebt, muß die Regeln dieser Gesellschaft respektieren. Er respektiert sie auch, aber er bleibt dennoch menschlich dabei. Der Blinde Passagier ist ein Geächteter (Outlaw). Deshalb muß ihn der Polizist dazu bringen, die Regeln zu respektieren. Er muß ihn zurück nach Afrika schicken. Aber dieser Schwarze, dieser schwarze Polizist, ist ein menschliches Wesen. Er tut seinen Job, aber er hat eine menschliche Beziehung zu dem Blinden Passagier. Und genau dies, so denke ich, ist es was fehlt in den Beziehungen zwischen Weißen und Afrikanern. Aber auch in den Beziehungen zwischen Afrikanern, die in Europa leben und sich hier integriert haben, und den Neuankömmlingen aus Afrika mangelt es an dieser Menschlichkeit. Sie befürchten, daß ihnen diese Neuankömmlinge Schwierigkeiten machen könnten, weil sie keine Papiere haben etc. Aus diesem Grund wollte ich einen schwarzen Polizisten haben.

Literaturhinweise

  • Amma Darko, Der verkaufte Traum, Schmetterling Verlag, Stuttgart 1991 (auch als dtv-Taschenbuch erhältlich)
  • Axelle Kabou, Weder arm noch ohnmächtig, Basel 1993, Lenos-Verlag
  • Apel, Dagmar: „Fremd ist man fast überall.“ Vom Umgang mit dem Fremden. Bausteine zum Konfirmandenunterricht; hrsg. v. Büro des Ausländerbeauftragten der EKiBB in Zusammenarbeit mit dem Ev. Verein KU-Praxis e.V. Berlin o.J. (1995)
  • Bieg-Körber, Monika / Minarsch-Engisch, Josef / Schirmer, Mechthild: Fremd - oder was? Unterrichtsmaterial zum Thema Ausländer, Fremde, Fremdenfeindlichkeit, Rechts-extremismus (Grundschule und Sek I). Diakonisches Werk der evang. Kirche in Württemberg e.V. Stuttgart o.J. (1995)
  • Budzinski, Manfred: „Fremde brauchen Freunde. Wir auch.“ Handreichung für Kirchen-gemeinden und Initiativen zum Abbau von Fremden- und Flüchtlingsfeindlichkeit. epd-Dokumentation Nr. 7 / 92. Frankfurt a.M. 1992

Medienhinweise

  • DER MARSCH
    David Wheatley, Großbritannien 1990, 95 Min, f, Spielfilm
    Verleih VHS: verschiedene EMZ und Landesbildstellen,
  • 18 MINUTEN ZIVILCOURAGE
    Rahim Shirmahd, BRD 1991, 20 Min., Dokumentarfilm, S/W
    Katalog EZEF

Bernd Wolpert
April 1998